November 25 2019

Das Internet als Stromfresser

Es gehört mit Abstand zu den revolutionärsten Erfindungen der Menschheit: das Internet. Egal ob Tablet, Smartphone oder PC, es fasziniert täglich Millionen Menschen. Worüber kaum einer spricht: Der hohe Energiebedarf.

„Der Energiebedarf der Digitalisierung wird 2020 rund 20 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs ausmachen“, prophezeit Professor Damien Ernst von der Universität Lüttich.

Kein Wunder: Im Oktober 2019 waren rund 4,12 Milliarden Menschen online und es werden täglich mehr.

Die Rechenzentren machen das Internet erst möglich. Auf tausenden Servern liegen Daten, auf die wir zugreifen können. Und das zu jeder Zeit, 24 Stunden am Tag. Wäre das Internet ein Land, hätte es nach einer Studie von Greenpeace den weltweit sechstgrößten Stromverbrauch. Nach Angaben der RTBF wäre es der drittgrößte Stromverbraucher hinter China und den USA.

Laut der New York Times verbrauchen zum Beispiel die Datenzentren von Google so viel Strom wie eine 200.000-Einwohner-Stadt.

Und der Stromverbrauch hat seinen Preis: Es gibt immer mehr Datenströme und je mehr digitale Geräte genutzt und miteinander vernetzt werden, desto mehr elektrische Energie wird benötigt. Auch wenn Smartphones, Laptops und PCs immer effizienter werden, kann dies den hohen Energieverbrauch nicht drosseln.

Wie setzt sich der Stromverbrauch zusammen?

Wer beispielsweise eine Google-Suche startet, benötigt an 3 Stellen Energie:

  • Beim Smartphone, Tablet oder Computer, also beim Endgerät,
  • dann in den Daten- und Rechenzentren mit ihren Servern und Kühlaggregaten
  • und bei den Kommunikationsnetzen inklusive Mobilfunkstationen und Internet-Routern.

Was aber besonders viel Energie benötigt sind Rechenzentren. Allein die Rechenzentren in Frankfurt ziehen mehr Strom als der internationale Flughafen. „Und was ein Rechenzentrum vor allem braucht ist Kühlung“, sagt Professor Harald Lesch in seinem Vortrag, die digitale Diktatur. Deshalb drängen große Internet-Firmen mit ihren Rechenzentren nach Skandinavien.

Facebook hat 2011 sein erstes Rechenzentrum in Schweden aufgebaut und will es nun auf die doppelte Größe ausbauen. Das neue Rechenzentrum wird mehr als 100.000 Quadratmeter groß sein, 1,2 Milliarden Dollar kosten und 2021 in Betrieb gehen. Damit wird es zu einem der größten Rechenzentren der Welt.

Hauptverursacher Cloud, Streaming und Bitcoin

Hauptverursacher für immer mehr Datenmengen und höheren Energieverbrauch sind Cloud-Computing und Video-Streaming.

Bei Cloud-Computing werden Daten nicht mehr wie bisher auf dem Smartphone oder dem Computer gespeichert, sondern auf einem Server irgendwo in Skandinavien oder den USA. Und je mehr Daten auf den Servern gespeichert werden, desto mehr Energie ist nötig.

Aber auch Video-Streaming benötigt sehr viel Energie: Nach Angaben des SWR verbraucht ein HD-Film von drei GB ungefähr 0,6 Kilowattstunden. „Schon 2015 waren Videos für zwei Drittel des Datenverkehrs verantwortlich. Bis 2020 wird der Anteil auf 80 Prozent steigen“, berichtet der SWR.

Schaut man sich einen einstündigen Film etwa über Netflix, Spotify oder auch einfach einen YouTube-Kanal,… von sagen wir 3 Gigabyte über Videostreaming an, verbraucht das circa 0,6 Kilowattstunden. Mit dem Elektroauto schafft man damit 4 Kilometer. Schaut man sich aber jetzt einen Serienmarathon an, käme man mit dem Strom locker in die nächste Stadt.

Und in Zukunft?

Und der nächste Boom ist bereits im Anmarsch: die Industrie 4.0. Maschinen, die mit Maschinen kommunizieren via Internet…, fast keine Branche mehr ohne Internetanschluss.

Problem selbstfahrende Autos: Glaubt man dem Intel-Vorsitzenden, fallen pro Stunde bei einem autonom fahrenden Fahrzeug 4.000 Gigabyte an Daten an.  Wo soll die ganze Energie herkommen?

Der Trend geht zu immer größeren Rechenzentren, so genannten Hyperscale-Rechenzentren in der Größe von mehreren Fußballplätzen. Davon gibt es aktuell 350 auf der Welt. Dr. Ralph Hintemann vom Borderstep Institut geht davon aus, dass sich die Zahl in den nächsten 5 Jahren fast verdoppeln wird.

Viele Internetgrößen wie Google oder Apple setzen auf regenerative Energieformen. Google wirbt schon jetzt damit, mehr Ökostrom einzukaufen als es verbraucht. Sogar Greenpeace bescheinigt dem Unternehmen eine sehr gute Bilanz beim Ökostrom. Auch andere große Konzerne wie Apple oder Facebook setzen auf grünen Strom.

Was kann der Verbraucher dazu beitragen?

Also jeder Klick, jede Suchanfragen oder hochgeladene Fotos verbrauchen nur ein kleines bisschen Strom… Nichts im Vergleich zum Elektroherd in der Küche. Eine Google-Suche mehr wird man auf der eigenen Stromrechnung kaum bemerken. Doch global betrachtet, sieht das Ganze schon anders aus.

Alle 18 Monate verdoppelt sich der Datenverkehr weltweit. Und hier macht es eben die Masse.

Der Verbraucher kann seinen eigenen Internet-Konsum reduzieren, indem er sich vielleicht überlegt, wann und wie er E-Mails versendet oder ob Whats-App-Nachrichten mit nichtssagenden Texten durch die virtuelle Landschaft wirklich sinnvoll sind.

Hier müssen vor allem wirtschaftliche und politische Lösungen gefunden werden, um diesen Energiehunger zu reduzieren, bzw. in geordnete und sichere Bahnen zu lenken.

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